Ausschnitt aus der Karte von 1875

IG Gifft man een Viskeert up de heele Welt e.V.
Krankheit und Tod im 19. Jahrhundert
Noch am Ende des 19. Jahrhunderts verstarben etwa 40 % der Kinder noch vor ihrem 14. Lebensjahr und nur ca. 3,5 % der Menschen erreichten das 70. Lebensjahr. Diesen Umstand * spiegelt die Geschichte des Hauses Nr. 66 in Visquard in bedrückender Weise wider. (* Hinweis: Das schließt allerdings nicht aus, daß einige Menschen 80 Jahre und älter wurden.)
Ausschnitt aus der Karte von 1875
ist für das Haus Nr. 66 der "Bäcker Reinder Aits" eingetragen. Im benachbarten Haus Nr. 48 wohnt
der "Arbeiter Jan Reint Bruns". Die beiden Häuser sind nicht nur räumlich lediglich durch eine sehr schmale Gasse getrennt,
sondern haben bis Ende des 19. Jahrhunderts auch eine zusammenhängende und tragische Vorgeschichte:
Nach den Aufzeichnungen im Brandversicherungsregister hatte der Bäcker Klaas Arends Klaassen aus Groß-Midlum die
Bäckerei bereits
Auszug aus dem Brandversicherungskataster der Vogtei Greetsiel. Kommune Visquard.
Der gebürtige Groß-Midlumer Bäckermeister
betrieben. Ein Jahr zuvor
Auszug aus dem Visquarder Kirchenbuch zur Hochzeit:
Bäckermeister
Haushälterin
hatte er die Visquarder Krämertochter Jantje Jakobs
geheiratet. Aus der Ehe gingen die erste Tochter Meike, die zweite Tochter Meike und der Sohn Ubbe hervor.
Die erste Tochter
Auszug aus dem Visquarder Kirchenbuch:
Verzeichnis der Verstorbenen im Jahr 1847
Weiblichen Geschlechts.
Meike Heikes Klaassen, ehel. Tochter des Bäckers Klaas
Arends Klaassen und der Jantje Jakobs Dirksen, starb an
den Masern den vierzehnten (14) März abends 9 Uhr,
im zweiten (2) Jahr ihres Lebes, u. wurde begraben d. 23. ejusdem
und starb
Auszug aus dem Visquarder Kirchenbuch:
Verzeichnis der Verstorbenen im Jahr tausendachthundertfünfzig (1850)
Männlichen Geschlechts.
Ubbe Jakobs Dirksen Klaassen, des Bäckers Klaas Arends
Klaassen ehelicher Sohn, starb am einundzwan-
zigsten (21) September an Konvulsionen [Anmerkung: = Krämpfe] in seinem
ersten (1) Lebensjahre und wurde begraben den 29. ejusdem.
im zweiten Lebensjahr an Masern. Sohn Ubbe wurde noch nicht mal ein Jahr alt
Nur einen Monat später,
Auszug aus dem Visquarder Kirchenbuch:
Verzeichnis der Verstorbenen im Jahr achtzehnhundertfünfzig (1850)
Weibl. Geschlechts.
Jantje Jakobs Dirksen, des Bäckers Klaas Arends
Klaassen Ehefrau, starb an der Schwindsucht
den einundzwanzigsten (21) Oktober abends 6 Uhr,
im zweiunddreißigsten Lebensjahre (32) und wurde
begraben den 29. ejusdem.
Mutter Jantje an Schwindsucht.
Nun stand Bäcker Klaas Arends Klaassen nach 6 Ehejahren mit seiner 2-jährigen zweiten Tochter Meike alleine da.
Auszug aus dem Visquarder Kirchenbuch zur Hochzeit:
Bäckermeister
Dienstmagd
heiratet er die 27-jährige Dienstmagd Engel Berends aus Rysum und bald darauf wird der gemeinsame Sohn
Siemen geboren, der
Auszug aus dem Visquarder Kirchenbuch Jahrgang 1854
Laufende No. 8im Alter von nur 10 Monaten stirbt.
Auszug aus dem Visquarder Kirchenbuch Jahrgang 1858
Laufende No. 9stirbt seine 9-jährige Tochter
Meike aus erster Ehe. Am
Auszug aus dem Visquarder Kirchenbuch Jahrgang 1854
Laufende No. 6stirbt seine zweite Frau Engel an einer Lungenentzündung.
Klaas Arends Klaassens Familie ist ausgelöscht und er ist wieder alleine.
Drei Jahre später, am
Auszug aus dem Visquarder Kirchenbuch Jahrgang 1866
Laufende No. 8nimmt sich Klaas Arends Klaassen im Alter von 49 Jahren das Leben; er hat in
22 Jahren zwei Ehefauen und alle 4 Kinder durch Krankheit verloren.
Nach ihrer Hochzeit
Auszug aus dem Visquarder Kirchenbuch zur Hochzeit:
Bäckermeister
Haushälterin
hatten Bäckermeister Meindert Cornelius Aits und seine Frau Antje
das benachbarte Haus Nr. 48 vom Bäckermeister Klaas Arends Klaassen übernommen.
Aus dem
Auszug aus dem Brandversicherungskataster:
Meindert C. Aits erwirbt 1864 das Haus Nr. 48 von Klaas Arends Klaassen.
geht hervor, daß das Ehepaar ab 1864 aus irgendeinem Grund 100 statt 110 Mark
Prämie zahlt. Nach dem Tod von Bäckermeister Klaas Arends Klaassen ziehen Bäckermeister Meindert Cornelius Aits
und seine Frau Antje
Auszug aus dem Brandversicherungsregister:
Meindert Cornelius Aits erwirbt 1867 das Haus Nr. 66 mit Bäckerei
vom verstorbenen Vorbesitzer Klaas Arends Klaassen
und führen die dortige Bäckerei bis zum Jahr 1912. Meindert Corneliius Aits
ist damals 74, seine Frau Antje war am 1. Januar 1894 im Alter von 50 Jahren an Influenza gestorben.
Das Haus Nr. 48 hatte
Auszug aus dem Brandversicherungskataster:
Jan Reint Bruns übernimmt das Haus Nr. 48 von Meindert C. Aits, nachdem dieser
das Haus Nr. 66 mit der Bäckerei erworben hat.
bereits 1867 von Meindert C. Aits übernommen, er am 12. Juni 1914 stirbt
in Visquard auf dem alten Friedhof beigesetzt wird. Mit der Aufösung des alten Friedhofs wurde auch das
Grabstein von Meindert und Antje Aits auf dem alten
Friedhof in Visquard
der inzwischen aufgelöst wurde.
Im Jahr 1912 übernimmt zunächst
Auszug aus dem Brandversicherungskataster:
Jan Schipper erwirbt das Haus Nr. 66 mit Bäckerei von Meindert C. Aits.
, der im 1. Weltkrieg gefallen ist. Sein Name ist auf dem
Mahnmal zu Ehren der im 1. Weltkrieg gefallenen Visquarder Bürger.
am westlichen Ende Visquarder Friedhofs verzeichnet.
Im Jahr 1916 erwirbt
Auszug aus dem Brandversicherungsregister:
Daniel Schmidt erwirbt 1916 das Haus Nr. 66 mit Bäckerei von Jan Schipper
das Wohnhaus und den Anbau mit der Bäckerei und vererbt es an seinen
Sohn Jachim Schmidt, der die Bäckerei und den Kolonialwarenladen bis Anfang der 1960-er Jahre führt.
Danach wird das Geschäft noch einige Jahre von der Familie de Beer betrieben.
In das benachbarte Haus Nr. 48 ziehen nach einigen Eigentümerwechseln 1923
Auszug aus dem Brandversicherungskataster:
Andreas Royer erwirbt 1923 das Wohnhaus Nr. 48 mit Hinterhaus und Stallanbau.
ein, die das Haus bis zu ihrem Tod 1983 und 1976 bewohnen.
Der Giebel bzw. First des Hauses Nr. 48 ist ganz rechts
Das Haus Nr. 48 im Jahr 1952
Dahinter die Bäckerei Daniel Schmidt im Haus Nr. 66
zu sehen.
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